Bordkarten Tagebuch

Lufthansa Upgrade mit Meilen: Wie wir als Familie die Premium Economy nutzten

Lufthansa Upgrade mit Meilen: Wie wir als Familie die Premium Economy nutzten

Eines Abends im letzten Monat saß ich in unserem Wohnzimmer in München, das Notebook auf den Knien und ein Glas Wein daneben – ich starrte auf den Bildschirm und konnte es kaum glauben. Da standen sie schwarz auf weiß: 280.000 Meilen. Unser Meilenkonto, das ich seit 2022 wie einen digitalen Augapfel hüte, war endlich schwer genug für den großen Sprung über den Atlantik.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich 2022 anfing – eine Kollegin hatte mir die Lufthansa-Kreditkarte empfohlen, ich sackte die 30.000 Meilen Sign-Up-Bonus ein und hatte absolut keinen Plan, was ich damit anfangen sollte. Jetzt, zwei Jahre später, habe ich nicht nur Meilen gesammelt, sondern auch gelernt, dass Travel-Hacking für eine vierköpfige Familie mit einem Maschinenbauingenieur als Ehemann und zwei Kindern (8 und 10) eine ganz eigene Dynamik hat.

Die Buchungshürde: Wenn aus Zahlen Realität wird

Die Planung begann eigentlich schon Mitte November letzten Jahres, als wir uns entschieden: Wir wollen nach Kalifornien. Aber wer versucht, in den Schulferien vier Plätze in einer höheren Klasse zu finden, merkt schnell: Das ist kein Sprint, das ist ein strategisches Geduldspiel. Als ich dann Ende Februar tatsächlich die Bestätigung für FRA-SFO auf dem Schirm hatte, zitterte meine Hand ein bisschen beim Klicken auf „Bestätigen“.

Es waren am Ende exakt 280.000 Meilen für uns vier. Das klingt nach einer astronomischen Zahl, aber der Miles & More Kinder-Award-Rabatt hat uns hier den Hintern gerettet. Kinder zwischen 2 und 11 Jahren benötigen nämlich nur 75 % der Meilen eines regulären Tickets – ein Detail, das ich sofort in mein Bordkarten-Tagebuch eintrug. Was mich allerdings kurz schlucken ließ, waren die Steuern und Gebühren: etwa 1500 Euro obendrauf für die ganze Familie. Mein Mann, mit seinem Ingenieurs-Gen, rechnete im Kopf wahrscheinlich schon den Wert pro Meile aus, während ich nur dachte: Hauptsache, wir sitzen nicht elf Stunden eingequetscht in der Economy.

An Bord der LH 454: 38 Zoll Frieden

Der Moment der Wahrheit kam in der Woche vor den Osterferien am San Francisco International Airport bzw. eigentlich schon beim Boarding in Frankfurt. Wir flogen mit der LH 454, einer Airbus A340-600. Ich hatte uns die Plätze in Reihe 32 ausgesucht, ich selbst saß auf 32H. Als ich mich setzte, spürte ich diesen spezifischen metallischen Klick des Sicherheitsgurtes – er fühlte sich irgendwie solider an als in der normalen Economy. Und dann war da dieser Geruch der gedruckten Menükarte in meiner Hand. Es sind diese kleinen Dinge, die den Unterschied machen.

Die harten Fakten der Premium-Economy-Class bei Lufthansa sind für uns Eltern ein echter Segen:

  • Sitzabstand: 38 Zoll (ca. 96 cm) – das bedeutet, dass mein 10-jähriger Sohn endlich schlafen konnte, ohne permanent gegen den Vordersitz zu treten.
  • Bildschirm: 11 bis 12 Zoll große Monitore – groß genug, damit die Kids während des Fluges komplett in ihre Filme abtauchten.
  • Gepäck: 2 x 23 kg pro Person – was bei einer vierköpfigen Familie bedeutet, dass man theoretisch den halben Hausstand mitnehmen könnte (wir hatten trotzdem nur drei Koffer dabei).
  • Ein kleiner Dämpfer war allerdings die Lufthansa Lounge B1 in Frankfurt. Dank meiner Kreditkarte hatten wir über den PriorityPass Zugang, aber die Lounge war so überfüllt, dass wir kaum vier Plätze zusammen fanden. Der Espresso war trotzdem gut, aber der entspannte Start, den ich mir erhofft hatte, fühlte sich eher wie ein Warten im gut sortierten Möbelhaus am Samstagvormittag an.

    Die Realität zwischen den Wolken

    Während des Fluges beobachtete ich meine Tochter, wie sie sich in ihr Reisekissen kuschelte. In der Premium Economy ist der Sitz deutlich breiter, und die eigene Armlehne sorgt dafür, dass kein Geschwisterstreit darüber ausbricht, wer wo seinen Ellenbogen parken darf. Ich schrieb mir diesen Moment direkt in mein Notizbuch auf: „Sitz 32H – Kind schläft, Frieden auf 10.000 Metern Höhe.“

    Ich habe in der Zeit davor viel darüber gelesen, wie man Meilen am effizientesten nutzt. Viele Travel-Hacker sagen, Premium Economy sei „Verschwendung“, man solle nur Business oder First buchen. Aber ganz ehrlich? Wenn du für vier Personen planst, sieht die Welt anders aus. Wir haben lange überlegt, ob wir den Miles and More Companion Award nutzen sollen, aber für diese spezifische Route und die Ferienzeit war die direkte Buchung der Premium Economy für uns der sicherste Weg.

    Ein wichtiger Tipp, den ich beim nächsten Mal anders machen würde: Manchmal ist es klüger, gezielt günstige Economy-Tickets zu kaufen und die Meilen für etwas anderes zu sparen. Meine neue Erkenntnis ist nämlich, dass Upgrades für die ganze Familie oft ineffizient sind. Wenn man die Ersparnis aus den Meilen nimmt und stattdessen in ein lokales Luxus-Upgrade am Zielort investiert – zum Beispiel ein Zimmer mit direktem Blick auf die Golden Gate Bridge – hat man oft mehr davon. Es muss nicht immer die First Class sein, um sich „elite“ zu fühlen.

    Was ich aus dem Notizbuch gelernt habe

    Als wir in San Francisco landeten und die Kinder erstaunlich fit aus dem Flieger stiegen, wusste ich: Die 280.000 Meilen waren gut investiert. Es war nicht perfekt – die Lounge war voll, die Gebühren waren hoch –, aber es war ein riesiger Fortschritt gegenüber unseren früheren Reisen. Für Familien ist Travel-Hacking kein glamouröses Jetset-Leben, sondern das Management von Platz und Nerven. Falls du auch gerade planst, schau dir unbedingt an, wann sich Lufthansa Meilenschnäppchen für Familien wirklich lohnen, denn dort kann man manchmal noch mehr herausholen als wir bei unserer regulären Buchung.

    Ich klappe mein Notizbuch jetzt zu, während wir hier in San Francisco am Pier sitzen. Die nächste Reise ist schon im Kopf, aber erst mal genieße ich das Gefühl, dass wir es geschafft haben. Man fängt vielleicht zu spät an, so wie ich 2022, aber man lernt mit jeder Bordkarte dazu. Und jede Geschichte dahinter ist es wert, aufgeschrieben zu werden.