
Es ist ein Freitagabend Mitte November in Schwabing, das Licht im Restaurant ist gedimmt, und während die Kinder gerade den letzten Löffel ihres Schokodesserts genießen, mache ich etwas, das ich vor zwei Jahren noch für völlig verrückt gehalten hätte. Ich zücke nicht nur meine Kreditkarte, sondern öffne fast schon hektisch die App auf meinem Handy. Mein Mann schaut mich kurz fragend über den Rand seines Weinglases an, und ich nicke ihm nur lächelnd zu: „Ja, das ist ein Partner-Lokal, wir sammeln hier.“ Es ist dieser kleine Moment des Stolzes, wenn man weiß, dass das Abendessen gerade ein paar Kilometer für den nächsten Sommerurlaub finanziert hat.
Vom Zufalls-Sammler zum Strategen im Restaurant
Ich bin keine Travel-Bloggerin und auch keine Expertin für Loyalty-Programme. Eigentlich bin ich nur eine UX-Designerin, die 2022 diesen ersten Bonus von 30.000 Meilen für eine Kreditkarte abgestaubt hat und erst im Sommer 2024 verstanden hat, was das bedeutet. Damals haben wir 280.000 Meilen für vier Premium Economy Tickets von Frankfurt nach San Francisco eingelöst – LH 454, ich saß auf 32H in der A340-600. Es war nicht die First Class, es war „nur“ die Klasse über der Economy, und wir haben trotzdem etwa 1500 Euro an Steuern und Gebühren gezahlt. Aber für uns als Familie war es der Moment, in dem das Meilensammeln real wurde.
Seitdem sammle ich jeden Beleg und jede Geschichte in meinem Notizbuch. Und dabei habe ich gelernt: Die großen Sprünge machen wir mit Flügen, aber der „Kleber“, der unser Meilenkonto zwischen den Urlauben zusammenhält, ist der Alltag. Besonders das Essengehen in München hat sich als echte Goldgrube erwiesen, wenn man weiß, wie man die Miles & More Dining Partner richtig nutzt. In Städten wie München ist die Dichte an Partner-Restaurants, besonders in der Maxvorstadt und der Altstadt, erstaunlich hoch.

Die Mathematik hinter dem Schnitzel: Der Double Dip
Das Prinzip ist eigentlich ganz simpel, aber man muss es einmal eingerichtet haben. Bei den Miles & More Dining Partnern bekommt man standardmäßig 1 Meile pro 1 Euro Umsatz. Das klingt erst mal nach wenig, wenn man an die 280.000 Meilen für den Flug nach San Francisco denkt. Aber der Trick ist der „Double Dip“. Wenn ich im Restaurant mit meiner Miles & More Gold Credit Card bezahle, sammle ich zusätzlich die reguläre Rate von 1 Meile pro 2 Euro Umsatz für den Kreditkartenumsatz.
Ein Beispiel von einem verregneten Dienstag im März: Wir waren zum Geburtstag meiner Mutter mit acht Personen essen. Die Rechnung war ordentlich. Durch eine 5-fach Meilen-Aktion, die gerade lief, haben wir plötzlich so viele Meilen generiert, dass es fast für einen Inlandsflug gereicht hätte. Das leise Klicken meines Kugelschreibers, wenn ich im schummrigen Restaurant-Licht die gesammelten Meilen hinten auf den Beleg in mein Notizbuch eintrage, ist mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Ausflüge geworden. Es fühlt sich ein bisschen wie ein Geheimspiel an, das wir als Eltern spielen.
Was man allerdings wissen muss: Die Meilen verfallen ohne Status nach 36 Monaten. Da ich keinen Frequent Traveller Status habe, ist meine Kreditkarte mein Schutzschild gegen den Meilenverfall. Über meine Erfahrungen mit Kreditkartenumsätzen im Alltag habe ich schon einmal ausführlich geschrieben, aber im Restaurant ist die Dynamik noch einmal eine andere.
Die Schattenseite der Daten: Der Status-Score-Paradox
Als UX-Designerin arbeite ich viel mit Nutzerdaten und Algorithmen, und hier kommt ein Punkt, den viele Travel-Hacker oft übersehen. Wenn man anfängt, sein Leben nach Meilen-Aktionen auszurichten, verändert sich das Ausgabeverhalten. Man nutzt Apps, verknüpft Karten und hat plötzlich sehr unregelmäßige Ausgabemuster. Ein Monat ist ruhig, im nächsten Monat bucht man die große Familienfeier in einem Partner-Restaurant, um die 10-fach Punkte mitzunehmen.
Ich habe bemerkt, dass dieses sprunghafte Verhalten – zumindest theoretisch – den Status-Score bei Kreditkarten-Anbietern beeinflussen kann. Banken lieben Vorhersehbarkeit. Wenn man plötzlich hohe Summen in Kategorien ausgibt, die nicht zum bisherigen Profil passen, nur weil es dort gerade 5 Meilen pro Euro gibt, könnte das System das als „unregelmäßiges Verhalten“ flaggen. Es ist ein paradoxer Nebeneffekt des Luxury Travel Hackings: Man optimiert für den Flug, riskiert aber vielleicht eine niedrigere Kreditlinie oder strengere Prüfungen, weil man wie ein „untypischer“ Konsument wirkt. Ich achte deshalb darauf, die Umsätze einigermaßen im Rahmen zu halten und nicht nur für die Meilen essen zu gehen.

Was nicht geklappt hat: Wenn die Technik streikt
Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Anfang Juni wollten wir in einem schicken Laden in der Nähe vom Marienplatz essen, der in der App als Partner gelistet war. Ich hatte mich schon auf die Meilen gefreut, aber vor Ort stellte sich heraus, dass das Terminal des Restaurants nicht korrekt mit dem System verknüpft war. Kein „Double Dip“, keine Extra-Meilen. Das Kind schlief zwar friedlich im Buggy, aber ich saß da mit meinem Notizbuch und konnte nichts eintragen. Das sind die Momente, in denen man merkt: Man darf sich nicht zu sehr darauf verlassen.
Ähnlich war es neulich in der Lufthansa Lounge in München, die wir vor einem Kurzstreckenflug mit dem PriorityPass besuchten. Die Lounge war so überfüllt, dass wir kaum einen Platz fanden, und der Espresso schmeckte auch eher mittelmäßig. Manchmal ist die Realität des Meilensammelns eben doch weniger glamourös, als die Instagram-Feeds es vermuten lassen. Es ist harte Arbeit, Belege zu sortieren und Aktionen in der App zu aktivieren, bevor man das Restaurant überhaupt betritt.
Mein Fazit im späten August
Jetzt, Ende August 2026, sitze ich wieder über meinem Notizbuch. Die Meilen aus den Restaurantbesuchen vom letzten Winter und Frühling sind alle gutgeschrieben. Es ist ein mühsamer Weg, Meile für Meile zu sammeln, aber für uns als Familie ist es die einzige Möglichkeit, sich ab und zu diesen kleinen Luxus wie Premium Economy zu gönnen. Es geht nicht darum, reich zu wirken, sondern darum, den Alltag so zu organisieren, dass er uns ans Ziel bringt – egal ob das nun San Francisco oder ein entspannter Flug nach Asien ist.
Wenn ihr also das nächste Mal in München essen geht, schaut kurz in die App. Vielleicht finanziert das Wiener Schnitzel ja euren nächsten Espresso in der Lounge. Man fängt immer bei Null an, jede Buchung ist ein neues Abenteuer, und manchmal ist der Weg zum Ziel eben mit Restaurant-Belegen gepflastert.