Bordkarten Tagebuch

Travel Hacking Strategie für Familien: So sammeln wir jetzt geplant Meilen

Travel Hacking Strategie für Familien: So sammeln wir jetzt geplant Meilen

Es ist spät am Abend hier in München und das einzige Geräusch im Wohnzimmer ist das kratzige Geräusch meines Kugelschreibers auf dem dicken Papier meines Notizbuchs. Ich klebe gerade die Bordkarten von unserem Flug LH 454 aus San Francisco ein. Vier Stück. Sitz 32H war meiner – direkt am Fenster in der Premium Economy der A340-600. Daneben die Kinder, die auf dem elfstündigen Rückflug fast die ganze Zeit in ihre Reisekissen gekuschelt geschlafen haben.

Während ich die Meilenwerte neben die Karten schreibe – 280.000 Meilen für uns vier – muss ich kurz innehalten. Auf der Kreditkartenabrechnung daneben stehen etwa 1500 Euro für Steuern und Gebühren. Ein kurzer Moment des Zweifels blitzt auf: Sind 1500 Euro Zuzahlung wirklich ein ‘Geschenk’, wenn man dafür zwei Jahre lang Punkte gehortet hat? Aber dann sehe ich das Foto von den Gesichtern der Kinder beim Boarding, diesen Stolz, als sie in die breiteren Sitze kletterten, und der Zweifel ist weg. Wir haben es geschafft, ohne dass wir Business-Class-Influencer oder Millionäre sind.

Vom Zufall zum System: Warum wir eine Familien-Strategie brauchen

Angefangen hat alles im Jahr 2022 mit einer Empfehlung einer Kollegin und einem Willkommensbonus von 30.000 Meilen für die goldene Lufthansa Kreditkarte. Damals dachte ich noch, das reicht locker für einen Freiflug nach New York. Spoiler: Tat es nicht. Zwei Jahre lang haben mein Mann und ich planlos Meilen gesammelt – mal hier ein Einkauf, mal dort ein Flug – bis wir merkten, dass wir für eine vierköpfige Familie eine ganz andere Schlagzahl brauchen.

Nahaufnahme einer Tagebuchseite mit handschriftlichen Flugdetails und einem San Francisco Aufkleber.

Wenn man alleine reist, sind 80.000 Meilen schnell beisammen. Aber für uns vier nach San Francisco? Da reden wir über ganz andere Dimensionen. Ich erinnere mich noch an den Sommer 2024, als wir das erste Mal die 280.000 Meilen auf dem Konto sahen. Das war unser Durchbruch. Aber der Weg dahin war kein Zufall mehr, sondern das Ergebnis einer Umstellung, die wir spät im letzten Herbst beschlossen haben. Wir haben aufgehört zu hoffen und angefangen zu rechnen.

Ein wichtiger Teil dieser Erkenntnis war, dass wir unsere Lufthansa Upgrade mit Meilen: Wie wir als Familie die Premium Economy nutzten nicht mehr dem Schicksal überlassen wollten. Wir brauchten einen Plan, wie wir diese Summen alle zwei Jahre stabil generieren können.

Die drei Säulen unserer Familien-Meilen-Logik

Unsere Strategie basiert heute auf drei Dingen, die ich mir damals, als ich noch völlig verwundert vor meinem Meilenkonto saß, gewünscht hätte. Erstens: Das Meilenpooling. Das war der absolute Gamechanger. Bei Miles & More können bis zu zwei Erwachsene und fünf Kinder ihre Meilen in einen gemeinsamen Topf werfen. Das heißt, die Meilen, die die Kinder durch ihre eigenen Flüge oder Geschenke sammeln, landen sofort dort, wo wir sie für die großen Buchungen brauchen.

Zweitens: Der Kinder-Rabatt. Das wissen viele gar nicht, aber Miles & More gewährt für Kinder zwischen 2 und 11 Jahren eine Ermäßigung von 25 Prozent auf die benötigten Prämienmeilen. Während ein Erwachsener für den Hin- und Rückflug in der Premium Economy nach Nordamerika 80.000 Meilen braucht, sind es für das Kind nur 60.000 Meilen. Das macht bei zwei Kindern einen Unterschied von 40.000 Meilen – fast ein ganzer Inlandsflug oder eben der Puffer, den wir für die nächste Fernreise brauchen.

Drittens: Der Alltagstransfer. Wir sammeln nicht mehr nur beim Fliegen. Jedes Mal, wenn ich beim Tanken Punkte für den Urlaub sammle, wandern diese über Payback direkt in unseren Pool. Wir nutzen die 1:1 Konvertierung konsequent aus, oft sogar mit dem jährlichen Bonus von 25 Prozent extra, wenn man seine Punkte gebündelt überträgt. Das passiert meistens gegen Ende des Winters, wenn wir den Kassensturz für das nächste Jahr machen.

Der Wendepunkt: Als die Excel-Tabelle zu uns sprach

Eines Dienstagabends im Frühjahr saßen mein Mann und ich zusammen am Esstisch. Er, der Ingenieur, hatte eine Tabelle aufgemacht. Wir haben alle Fixkosten eingetragen, die wir über die Kreditkarte laufen lassen können – vom Wocheneinkauf bis zur neuen Waschmaschine. Plötzlich war da diese Zahl: Wir wussten exakt, dass wir bis zum nächsten Sommer genug Meilen für vier Tickets haben würden. Kein Hoffen mehr, kein Bangen, ob es für die Premium Economy reicht.

Ein Laptop mit einer Excel-Tabelle zur Planung von Meilen im Hintergrund eines Wohnzimmers.

Früher dachte ich immer, Travel Hacking bedeutet, in der First Class Champagner zu trinken. Aber für uns als Familie in München ist der wahre Luxus die Verfügbarkeit. Ich habe gelernt: Hört auf, Meilen für teure Business-Class-Upgrades zu horten, die man für vier Personen sowieso fast nie bekommt. Für uns ist das systematische Einlösen für die Premium Economy viel wertvoller. Die Verfügbarkeit ist höher, und der Komfortgewinn gegenüber der engen Economy ist für die Kinder (und meine Nerven) unbezahlbar.

Natürlich läuft nicht alles perfekt. Kurz vor den Sommerferien wollte ich für einen Kurztrip in die Lufthansa Lounge B1 über meinen PriorityPass, aber sie war so überfüllt, dass wir draußen warten mussten. Die Kinder waren quengelig, der Espresso-Vollautomat war kaputt, und ich fühlte mich kurz wieder wie die Anfängerin von 2022. Aber dann habe ich in mein Notizbuch geschaut und gesehen, wie weit wir schon gekommen sind.

Warum ich jedes Detail mitschreibe

Ich bin keine Travel-Bloggerin. Ich habe keinen Status, der mir den roten Teppich ausrollt. Ich bin eine Mutter, die zu spät angefangen hat, aber jetzt jedes Detail mitschreibt, um die Kontrolle über unseren nächsten Traum zu behalten. Wenn ich heute Meilen mit Lufthansa Meilen sammeln mit Zeitschriftenabos aufstocke, dann weiß ich genau, dass diese 5.000 oder 10.000 Extrapunkte uns dem nächsten Ziel näher bringen.

Das Notizbuch ist mein Anker. Es erinnert mich daran, dass 280.000 Meilen kein unerreichbarer Berg sind, sondern eine Summe aus vielen kleinen, geplanten Schritten. Wenn ich das nächste Mal in der Lufthansa Lounge sitze – hoffentlich mit funktionierendem Espresso – werde ich die nächste Route planen. Vielleicht geht es diesmal Richtung Osten, aber die Strategie bleibt die gleiche: Sammeln mit System, Einlösen mit Verstand und immer die Kinder im Blick.

Am Ende geht es nicht um die Meilen pro Euro. Es geht um den Moment, wenn wir in Frankfurt am Main am Gate stehen und ich weiß: Diese Reise haben wir uns Schicht für Schicht im Alltag erarbeitet. Und das fühlt sich verdammt gut an.