
Es ist spät abends in unserer Küche in München. Das Haus ist ruhig, die Kinder schlafen, und ich sitze hier mit meinem Notizbuch. Ich streiche mit den Fingern über die eingeklebte Bordkarte von unserem Flug im letzten Sommer – FRA-SFO, LH 454, Sitz 32H. Das war der Moment, als wir zum ersten Mal 280.000 Meilen für vier Premium Economy Tickets auf den Kopf gehauen haben. Ein riesiger Erfolg für uns, aber während ich das kratzende Geräusch meines Füllhalters auf dem schweren Papier höre, während ich neue Notizen mache, sickert eine Erkenntnis durch: Dieser Glücksgriff wird sich so nicht einfach wiederholen lassen.
Vier Plätze in der Premium Economy direkt ab Frankfurt zu finden, war wie ein Sechser im Lotto. Wenn wir als vierköpfige Familie – mein Mann, die Kids (jetzt 8 und 10) und ich – wirklich regelmäßig wegwollen, ohne ein Vermögen für Steuern und Gebühren oder absurde Meilenbeträge auszugeben, müssen wir den Tunnelblick verlieren. Wir sind nicht mehr nur Lufthansa-Sammler. Wir müssen anfangen, die gesamte Allianz als unseren Spielplatz zu begreifen.
Der Tunnelblick auf den Kranich
Ich erinnere mich noch genau, wie ich Mitte November letzten Jahres vor dem Rechner saß. Ich wollte für die nächsten Osterferien planen. Mein Mann, der als Maschinenbauingenieur seine Projekte Monate im Voraus taktet, hatte mir das Fenster freigegeben. Ich suchte stur auf der Lufthansa-Seite nach Direktflügen ab München. Ergebnis: Null. Nichts. „Für Ihre Auswahl sind keine Prämienflüge verfügbar.“
Dieser kurze Moment der Panik, wenn die Suchmaske '0 Ergebnisse' anzeigt, ist furchtbar. Man fühlt sich, als hätte man umsonst gesammelt. Aber dann erinnerte ich mich an das, was meine Kollegin damals sagte, als sie mir die Kreditkarte empfahl: Es gibt nicht nur die eine Airline. Es gibt insgesamt 26 Star Alliance Mitglieder. Das ist eine gewaltige Flotte, die theoretisch auf uns wartet, wenn wir lernen, wie man sie nutzt.
Wir haben oft diesen Reflex, dass es „die gute Lufthansa“ sein muss. Aber wenn man für vier Personen bucht, ist Flexibilität die einzige Währung, die mehr wert ist als die Meilen selbst. Ich habe an jenem Abend verstanden, dass wir unseren Radius erweitern müssen. Nicht nur bei den Zielen, sondern vor allem bei den Umstiegen und den Partnern.
Warum Partner-Airlines für Familien der Joker sind
An einem verregneten Sonntagabend im März saß ich wieder dran. Diesmal war das Ziel Japan. Direktflüge mit Lufthansa nach Tokio? Für vier Personen in den Ferien? Völlig utopisch, es sei denn, man bucht exakt 361 Tage im Voraus – und selbst dann ist es ein Kampf. Aber dann habe ich angefangen, mit den Filtern zu spielen. Ich habe den mentalen Filter „Nur Lufthansa“ endlich deaktiviert.
Plötzlich tauchten Optionen auf, an die ich nie gedacht hätte. Swiss über Zürich, Austrian über Wien, oder sogar ANA. Was viele Familien (ich inklusive, bis vor kurzem) vergessen: Bei Miles & More gibt es für Kinder zwischen 2 und 11 Jahren eine echte Meilen-Ermäßigung. Man zahlt oft nur 75 % des regulären Meilenwertes für die Kinderflugprämie. Das gilt glücklicherweise bei fast allen voll integrierten Partnern.
Hier kommt mein kleiner „Contrarian“-Moment, den ich auch neulich meiner Freundin in einer Sprachnachricht aus der Lufthansa Lounge B1 erklärt habe (während ich meinen Espresso aus dieser schweren Porzellantasse genoss): Alle Welt redet davon, Meilen für die Business Class zu horten. Aber ganz ehrlich? Wenn ich vor der Wahl stehe, einmal in zwei Jahren zu zweit Business zu fliegen oder jedes Jahr als vierköpfige Familie in der Economy oder Premium Economy die Welt zu sehen, gewinnt die Familie. Die Ersparnis durch Meilen bei vier Economy-Tickets ist oft realer und familienfreundlicher als der Traum vom Champagner im Liegesitz, während die Kinder bei den Großeltern bleiben.
Die Entdeckung der Hubs: Zürich und Wien
Der Durchbruch kam, als ich realisierte, dass die Verfügbarkeit über Hubs wie Zürich oder Wien oft viel besser ist als direkt ab den großen deutschen Drehkreuzen. Während Frankfurt und München für Prämienflüge in den Ferien oft wie leergefegt wirken, bietet ein Umstieg bei der Swiss manchmal genau die vier Plätze, die wir brauchen. In meinem Notizbuch steht jetzt ein dicker roter Kreis um diese Strategie.
Ich erinnere mich an eine Suchanfrage, bei der ich fast aufgegeben hätte. Dann wechselte ich auf die Verbindung über Zürich. Und da waren sie: vier grüne Sitze. Das Hochgefühl, wenn man nach Stunden des Suchens diese Bestätigung sieht, ist unbeschreiblich. Es ist dieses „Ich habe das System verstanden“-Gefühl. Wir haben früher oft den Fehler gemacht, nur auf die Meilen zu schauen, aber die Partner-Airlines sind die eigentliche Freiheit.
Natürlich ist nicht alles perfekt. Einmal habe ich mich fast vertan und hätte beinahe eine Verbindung mit immensen Steuern und Gebühren gebucht, weil ich nicht darauf geachtet habe, welche Airline welche Zuschläge erhebt. Das ist die Lernkurve. Wir haben damals für San Francisco etwa 1500 Euro Steuern und Gebühren für vier Personen gezahlt – das war okay, aber bei manchen Partnern kann das stark variieren. Es lohnt sich, hier genau hinzusehen, bevor man den „Buchen“-Button drückt.
Kleine Beobachtungen vom Gate
Kurz vor Pfingsten waren wir wieder unterwegs, diesmal ein kürzerer Hüpfer. Ich beobachtete meine Tochter, wie sie in der Lounge (wir kommen dank der Kreditkarte und dem PriorityPass in die B1 in Frankfurt) völlig versunken an ihrem Tablet saß und eine heiße Schokolade trank. Es sind diese Momente, in denen das „Travel Hacking“ für mich Sinn ergibt. Es geht nicht um Status-Symbole. Es geht darum, den Reisestress für uns alle zu senken.
Wenn man als Familie fliegt, ist jeder Puffer Gold wert. Und wenn die Partner-Airline uns diesen Puffer durch eine bessere Verfügbarkeit ermöglicht, dann nehme ich den Umweg über Wien oder Zürich gerne in Kauf. In meinem Notizbuch habe ich notiert: „Lieber 2 Stunden länger unterwegs, dafür entspannt als Familie im Flieger, statt getrennt auf Wartelisten zu hoffen.“
Ich habe auch gelernt, dass man manchmal Lufthansa Upgrades mit Meilen ganz anders planen kann, wenn man erst einmal ein Basis-Ticket bei einem Partner hat. Aber das ist ein Thema für einen anderen Abend und eine andere Sprachnachricht.
Mein Fazit für das Notizbuch
Wenn ich heute in mein Tagebuch schreibe, dann steht da ganz klar: Wer als Familie fliegen will, darf nicht an einer Airline hängen. Die Meilen sind nur die Währung, aber die Allianz ist die Freiheit. Es ist völlig in Ordnung, „nur“ Economy zu fliegen, wenn man dadurch als vierköpfige Gruppe überhaupt erst ans Ziel kommt. Wir sparen uns die Meilen nicht für den einen Business-Flug auf, den wir uns vielleicht in fünf Jahren leisten könnten, sondern wir nutzen sie jetzt, solange die Kinder noch mit uns die Welt entdecken wollen.
Manchmal schaue ich mir auch die Lufthansa Meilenschnäppchen für Familien an, aber oft passen die Termine einfach nicht zu den bayerischen Schulferien. Genau dann sind die Partner-Airlines unsere Rettung. Es ist ein bisschen wie Puzzeln – anstrengend, manchmal frustrierend, aber wenn das letzte Teil passt und man die Buchungsbestätigung für vier Personen ausdruckt, fühlt es sich fantastisch an.
Falls du auch gerade vor leeren Suchergebnissen sitzt: Probier mal einen anderen Abflugort oder einen anderen Hub. Es sind 26 Partner da draußen. Einer davon hat vielleicht genau deine vier Sitze. Wir haben auch zu spät angefangen, aber jetzt schreiben wir jedes Detail mit – und jede Reise ist ein neuer Erfolg in meinem kleinen Buch.


