
Es ist spät am Abend, Ende Mai, und ich sitze an unserem Esstisch in München. Vor mir liegt mein Notizbuch – das mit dem dicken Papier, in das ich alles klebe. Die Kinder schlafen endlich, mein Mann liest nebenan etwas über Maschinenelemente, und ich rechne. Ich rechne aus, ob die neuen Wanderschuhe für die Kinder, die ich gerade bestellt habe, uns tatsächlich den Prämienflügen für das nächste Jahr ein Stück näher bringen.
Vielleicht erinnerst du dich noch an meinen ersten großen Erfolg? Sommer 2024, FRA-SFO auf der LH 454. Wir saßen auf 32H in der Premium Economy Class einer A340-600. 280.000 Meilen für uns vier – und ja, etwa 1500 Euro Steuern und Gebühren obendrauf. Es war nicht First Class, es war kein Champagner-Bad, aber für uns war es der Beweis: Dieses ganze Meilen-Ding funktioniert wirklich, auch wenn man erst spät damit anfängt und nicht jede Woche für die Arbeit im Flieger sitzt.
Warum ich plötzlich beim Onlineshopping auf 'Jetzt sammeln' klicke
Nach diesem San-Francisco-Erfolg habe ich aufgehört, diese kleinen 'Jetzt sammeln'-Buttons in den Newslettern zu ignorieren. Früher dachte ich immer: 'Ach, für die paar Meilen lohnt sich der Klick doch nicht.' Aber dann wurde mir klar: Unser ganzes Leben als vierköpfige Familie besteht eigentlich aus versteckten Flugsegmenten, die nur darauf warten, aktiviert zu werden. Ob es die neue Winterjacke ist oder das Bio-Waschmittel im Abo – alles zählt.
Man muss wissen, dass Miles and More Meilen normalerweise nach 36 Monaten verfallen, wenn man keinen Status hat oder nicht die richtige Kreditkarte nutzt. Dieser Druck im Nacken hat mich dazu gebracht, systematischer zu werden. Ich sehe das Online-Shopping-Portal inzwischen wie einen digitalen Meilen-Garten. Man pflanzt kleine Einkäufe und erntet später Langstreckenflüge.
Ich habe angefangen, meine Einkäufe zu bündeln. Anstatt impulsiv bei irgendeinem Shop zu bestellen, schaue ich erst im Portal nach. Es gibt dort etwa 500 Partner-Shops. Von den großen Elektronik-Riesen bis hin zu kleinen Boutiquen für Kindermode ist fast alles dabei. Es ist ein bisschen wie UX-Design im echten Leben: Man optimiert den User Flow seines eigenen Budgets.
Die Magie der Multiplikatoren: Wenn Wanderschuhe zu Flugmeilen werden
Der eigentliche Wendepunkt war ein verregneter Dienstag im März. Ich saß in der Küche und suchte nach neuen Matratzen für das Gästezimmer. Normalerweise wäre ich einfach zum nächsten Laden gefahren. Aber dann sah ich die Aktion: 15-fache Meilen bei einem großen Bettenlager. Das war der Moment, in dem ich begriff, dass Geduld eine Währung ist.
Ich warte jetzt oft gezielt auf diese Aktionen. Besonders Mitte November, kurz vor der Weihnachtszeit, drehen die Shops völlig auf. Da gibt es dann 10-fach oder sogar 15-fach Meilen auf Dinge, die man sowieso kaufen muss. Die Geschenke für die Omas, die neue Skiausrüstung für den 10-Jährigen – das sind die Momente, in denen das Meilenkonto einen Sprung macht, den man mit Fliegen allein kaum schaffen würde.
Ich liebe dieses Gefühl, wenn ich meine Füllfederhalter nehme und die neuen Zahlen in mein Notizbuch eintrage. Das kratzende Geräusch der Feder auf dem Papier, wenn ich '15x Multiplikator gutgeschrieben' notiere, ist fast so befriedigend wie das Klicken der Anschnallgurte im Flugzeug. Es ist die Gewissheit, dass man das System für die Familie arbeiten lässt.
Der 'Double Dip' – Wie wir die Meilen-Geschwindigkeit verdoppelt haben
Was ich anfangs völlig unterschätzt habe, ist der sogenannte 'Double Dip'. Das klingt nach einem komplizierten Finanzmanöver, ist aber eigentlich ganz simpel. Ich gehe über das Shopping-Portal zum Partner-Shop (das gibt die ersten Meilen) und bezahle dort mit meiner Lufthansa Kreditkarte (das gibt die zweiten Meilen).
Manchmal sitze ich dann da und beobachte mein Handy. Ich gebe es zu: Ich habe diesen kurzen Moment der Panik, wenn eine große Transaktion nicht sofort in der 'Pending'-Liste erscheint. Hast du die Cookies wirklich akzeptiert? War der Adblocker aus? Aber dann, meistens nach ein paar Tagen, kommt die Bestätigungs-E-Mail, und ich atme auf. Es ist diese kleine Erleichterung, fast so wie wenn man am Gate steht und sieht, dass der Flug pünktlich ist.
Man muss sich nur klarmachen, dass diese Portal-Meilen manchmal bis zu 90 Tage brauchen, bis sie wirklich auf dem Konto landen. Das ist nichts für Leute, die sofortige Bestätigung brauchen. Es ist eher wie ein Langzeitprojekt im Maschinenbau – mein Mann versteht das sofort. Man plant heute für einen Erfolg in zwölf Monaten.
Warum wir nicht mehr jedem Cent hinterherjagen
Hier kommt meine persönliche Wahrheit, die ich erst auf die harte Tour gelernt habe: Man kann sich beim Online-Shopping auch völlig verzetteln. Ich habe früher Stunden damit verbracht, den Shop mit dem besten Meilen-Verhältnis zu finden, nur um am Ende drei Euro zu sparen. Das ist es nicht wert.
Heute weiß ich: Anstatt beim Online-Shopping krampfhaft jeden einzelnen Punkt mitzunehmen, fahren wir als Familie oft besser damit, den Kauf über exklusive Kreditkarten-Angebote mit hohen Einmal-Boni zu optimieren. Ein einziger großer Sign-up-Bonus oder eine gezielte Aktion für eine Partnerkarte bringt oft mehr als 500 Kleinstbestellungen bei irgendwelchen Shops, die man eigentlich gar nicht braucht.
Es geht um die großen Hebel. Wenn wir für unseren nächsten Trip planen, wie wir die Miles and More Steuern und Gebühren von etwa 1500 Euro stemmen, dann hilft uns das strukturierte Sammeln beim Shoppen, aber die Basis sind immer die strategischen Entscheidungen bei der Wahl der Zahlungsmittel.
Letzte Woche habe ich eine neue Spülmaschine bestellt. Ein langweiliges Haushaltsgerät, eigentlich. Aber kurz nach Neujahr gab es eine Aktion, bei der ich durch den Kauf fast genug Meilen für einen Inlandsflug gesammelt habe. Während ich die Maschine einräumte, dachte ich nicht an Geschirr, sondern an das Gepäckband. In der Premium Economy dürfen wir nämlich 2 x 23kg pro Person mitnehmen – das sind acht Koffer für uns vier! Ich sehe uns schon im nächsten Sommer mit all unseren Sachen am Flughafen stehen, nur weil die alte Spülmaschine den Geist aufgegeben hat.
Ich bin keine Travel-Bloggerin und werde sicher nie den Senator-Status erreichen. Aber wenn ich in mein Notizbuch schaue und sehe, wie aus alltäglichen Einkäufen echte Reiseerlebnisse werden, dann fühlt sich das für mich wie ein riesiger Sieg an. Es ist die stille Zufriedenheit einer Mutter, die zwar zu spät angefangen hat, aber jetzt genau weiß, wie sie ihre Familie in die Welt bringt.
Falls du dich fragst, ob sich das alles für die kurzen Ferienzeiten lohnt: Ich habe neulich darüber geschrieben, wie wir die Lufthansa Meilenschnäppchen für Familien nutzen, um trotz Schulferien das Beste aus unseren Meilen rauszuholen. Es ist immer ein Puzzle, aber eines, das sich am Ende immer zusammensetzt – meistens genau in dem Moment, in dem man im Lounge-Sessel Platz nimmt und den ersten echten Espresso vor dem Abflug trinkt.


