
Ich sitze hier in einem dieser tiefen Sesseln der Lufthansa Lounge am Münchner Flughafen – die Kinder streiten sich gerade leise um das letzte Schälchen Gummibärchen und mein Mann starrt auf die Abflugtafel – und ich muss an diesen einen Moment vor ein paar Monaten denken. Es war einer dieser grauen Januarmorgen, kurz nach sechs. Ich saß am Küchentisch, die Kaffeemaschine hat noch dieses beruhigende Gurgeln von sich gegeben, und ich habe auf den 'Buchen'-Button geklickt. 280.000 Meilen. Weg. Einfach so.
Es fühlte sich fast ein bisschen verboten an. Als UX-Designerin bin ich es gewohnt, Interfaces zu hinterfragen, aber das Miles & More Portal an diesem Morgen war für mich wie eine Schatzkarte. 280.000 Meilen für vier Personen, München nach Tokio-Haneda, LH 714, Sitz 12G in der Premium Economy. In meinem blauen Notizbuch, das mittlerweile fast überquillt vor eingeklebten Bordkarten, steht neben diesem Eintrag nur ein Wort in Großbuchstaben: GESCHAFFT.
Die Mathematik der Vernunft (und warum 4 Plätze ein Wunder sind)
Man liest ja immer diese Geschichten von den Travel-Hackern, die für 50.000 Meilen in der First Class Champagner schlürfen. Ganz ehrlich? Als vierköpfige Familie mit schulpflichtigen Kindern ist das pure Science-Fiction. Wenn ich versuche, in den Osterferien vier Business-Class-Plätze auf derselben Maschine zu finden, ist die Chance höher, dass meine Kinder freiwillig ihr Zimmer aufräumen. Es passiert einfach nicht.
Genau deshalb ist die Premium Economy unser persönlicher Sweetspot geworden. Wir haben für den Hin- und Rückflug nach Japan insgesamt 280.000 Meilen bezahlt. Das sind 70.000 Meilen pro Person. Wenn man bedenkt, dass wir seit 2022 jeden Payback-Punkt beim Wocheneinkauf umgedreht und jede Kreditkarten-Aktion mitgenommen haben, war das unser großer Zahltag. Es ist diese ehrliche Erkenntnis: Wir sammeln nicht für den Luxus-Exzess, sondern für den Platz zum Atmen. Wer schon einmal versucht hat, Miles and More Prämienflüge finden in den Schulferien für 4 Personen zu realisieren, weiß, dass Verfügbarkeit die einzige Währung ist, die wirklich zählt.
Aber – und das ist der Teil, den man seiner besten Freundin erst nach dem zweiten Glas Wein erzählt – 'umsonst' ist das Ganze natürlich nicht. Die Kreditkartenabrechnung zeigte für die Steuern und Gebühren etwa 1.900 Euro an. Für vier Personen. Ich habe erst mal tief durchatmen müssen. 1.900 Euro für 'Meilen-Tickets'? Aber dann habe ich den Gegenwert geprüft: Die regulären Tickets hätten uns fast 6.000 Euro gekostet. Diese Ersparnis von über 4.000 Euro ist das, was uns den Aufenthalt in Tokio erst so richtig ermöglicht hat. Es ist ein bisschen wie beim Sale-Shoppen: Man gibt Geld aus, um zu sparen, und fühlt sich dabei seltsam schlau.
97 Zentimeter Freiheit über Zentralasien
Der Moment der Wahrheit kommt dann im Flugzeug. Wir flogen mit dem Airbus A350 der Lufthansa. Wer die normale Economy gewohnt ist, unterschätzt, was diese paar Zentimeter mehr ausmachen. In der Premium Economy hast du etwa 97 cm Sitzabstand. Für meinen Mann, der als Maschinenbauingenieur seine 1,90 Meter irgendwie unterbringen muss, ist das kein Luxus, sondern Gesundheitsvorsorge. Er musste seine Knie nicht in den Vordersitz bohren, was die Stimmung an Bord dramatisch verbessert hat.
Und dann war da meine 10-Jährige. Sie hat dieses graue Reisekissen, das sie überall mit hinhleppt. In der Premium Economy konnte sie die Fußstütze hochklappen, sich einkuscheln und ist irgendwo über Zentralasien einfach weggenickt. Kein Quengeln, kein 'Wann sind wir da?'. Sie hat einfach geschlafen. Ich saß daneben, hatte mein eigenes Tablett mit einer echten Stoffserviette vor mir (ja, es sind die kleinen Dinge!) und habe einen Film geschaut, ohne dass mir der Vordermann beim Zurücklehnen das Laptop-Display eingequetscht hat.
Manchmal fragen mich Kollegen, ob sich der Aufwand mit den Meilen lohnt, wenn man 'nur' Premium Economy fliegt. Aber wenn ich sehe, wie entspannt wir nach 12 Stunden Flug in Haneda aus der Maschine gestiegen sind, kenne ich die Antwort. Wir waren nicht diese völlig übermüdeten Zombies, die erst mal zwei Tage Jetlag-Koma brauchen. Wir waren bereit für Sushi und die Neonreklamen von Shinjuku. Wir haben sogar den Miles and More Companion Award nutzen können, was uns bei der Buchung noch mal ein paar Meilen gespart hat – ein kleiner Sieg für das Haushaltsbuch.
Der Moment, in dem ich fast geweint hätte (und nicht vor Freude)
Natürlich läuft bei uns nie alles glatt. Travel-Hacking ist kein sauberer Prozess, es ist eher wie Basteln mit Kleber an den Fingern. Am Tag der Buchung im Januar passierte das, was mein UX-Herz zum Stillstand brachte: Ich hatte alle Daten eingegeben, auf 'Zahlungspflichtig buchen' geklickt – und dann kam eine Fehlermeldung. 'Ihre Sitzung ist abgelaufen'.
Mein Herz ist mir in die Hose gerutscht. Ich habe sofort in mein Konto geschaut: Die 280.000 Meilen waren weg. Aber es gab keine Bestätigungsmail. Keine Buchungsnummer. Nichts. Ich saß 40 Minuten in der Warteschleife der Hotline, während die Kinder um mich herum ihr Frühstück verlangten. Diese 40 Minuten waren die längsten meines Lebens. Am Ende war es ein Systemfehler, die Tickets wurden manuell ausgestellt, aber dieser Stressfaktor gehört zur Wahrheit dazu. Meilen sammeln ist nichts für schwache Nerven, wenn man für vier Personen plant.
Auch die Lounge-Erfahrung war diesmal... nun ja, authentisch. Wir nutzen den PriorityPass, den wir über unsere Kreditkarten haben. Die Lounge B1 in München war an diesem Tag so voll, dass wir uns wie in der Kantine vorkamen. Ich stand mit meinem Espresso in der Hand neben einem Geschäftsmann, der lautstark über Quartalszahlen telefonierte, während mein 8-Jähriger versuchte, ein Croissant unfallfrei zu essen. Es ist nicht immer der glitzernde Werbefilm. Es ist das echte Leben.
Warum wir es wieder tun würden
Trotz der Gebühren, trotz des Buchungsstresses und trotz der überfüllten Lounge: Premium Economy ist für uns als Familie der einzige Weg, wie Langstrecke Sinn ergibt. Es ist der Kompromiss zwischen 'wir können uns das als vierköpfige Familie leisten' und 'wir kommen nicht völlig zerstört an'.
Ich erinnere mich noch, wie ich vor zwei Jahren angefangen habe. Ich wusste nicht mal, was ein Award-Seat ist. Ich habe einfach nur Meilen gesammelt, weil eine Kollegin es mir empfohlen hat. Damals habe ich mich oft gefragt, ob ich den richtigen Weg gehe, zum Beispiel als ich überlegt habe, ob die Amex Platinum oder Lufthansa Kreditkarte: Was lohnt sich für Familien mehr? ist – eine Entscheidung, die ich damals eher aus dem Bauch heraus getroffen habe, die uns aber heute diese Reisen ermöglicht.
Wenn ich heute mein Notizbuch aufschlage, sehe ich nicht nur Flugdaten. Ich sehe die Geschichte einer Familie, die gelernt hat, das System ein kleines bisschen für sich zu nutzen. Wir sind keine Profis. Wir machen immer noch Fehler. Aber wir sitzen in der Premium Economy, trinken unseren Tomatensaft aus einem echten Glas und freuen uns auf das nächste Abenteuer. Und am Ende ist es genau das, was zählt: Dass wir als vier Personen zusammen am Ziel ankommen, mit genug Energie, um die Welt zu entdecken.
