Bordkarten Tagebuch

Meilen sammeln beim Tanken: Wie wir im Alltag Punkte für den Urlaub sammeln

Meilen sammeln beim Tanken: Wie wir im Alltag Punkte für den Urlaub sammeln

Du, ich stehe gerade an einer Tankstelle im Münchner Norden – es regnet, der Wind pfeift um die Zapfsäulen und hinten im Auto diskutieren die Kinder lautstark darüber, wer wem das letzte Gummibärchen geklaut hat. Es ist einer dieser grauen Nachmittage im späten Herbst 2025, an denen man einfach nur schnell nach Hause will. Aber während ich hier stehe und mit klammen Fingern die App auf meinem Handy öffne, muss ich fast ein bisschen grinsen. Der kalte Wind treibt mir den Geruch von Diesel in die Nase, aber ich konzentriere mich nur auf den kleinen blauen QR-Code auf meinem Display.

Früher habe ich einfach irgendwo getankt, wo es gerade billig war. Heute ist das anders. Seit unserer ersten großen Einlösung im Sommer 2024 – du erinnerst dich, die 280.000 Meilen für unsere vier Premium Economy Plätze auf LH 454 nach San Francisco – sehe ich die Welt mit anderen Augen. Damals saßen wir auf den Plätzen 32H und Umgebung in der A340-600, und ich dachte: „Das müssen wir öfter machen.“ Aber 280.000 Meilen fallen nicht einfach vom Himmel, besonders wenn man die 1.500 Euro Steuern und Gebühren auch noch irgendwie rechtfertigen muss. Man braucht eine Strategie für den Alltag. Und die fängt genau hier an, an der Zapfsäule.

Warum wir plötzlich nur noch bei einer Marke halten

Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass Meilen sammeln nichts für Leute ist, die einmal im Jahr einen großen Bonus abgreifen und dann hoffen, dass es reicht. Es ist ein Marathon, kein Sprint. Mein Mann, der als Ingenieur ja alles in Excel-Tabellen packen muss, hat irgendwann mal ausgerechnet, wie viel wir eigentlich verfahren. Zwischen seinem Arbeitsweg und unseren Familienausflügen in die Berge kommt da einiges zusammen. Ein typisches Tankvolumen für unseren Familien-Kombi liegt bei etwa 60 Litern.

In Deutschland ist Aral der exklusive Partner von Payback. Und Payback ist für uns das Tor zu Miles & More. Die Basis-Sammelrate ist erst mal unspektakulär: 1 Punkt pro 2 Liter Kraftstoff. Bei unseren 60 Litern wären das gerade mal 30 Punkte. Wenn man bedenkt, dass das Payback zu Miles & More Transferverhältnis 1 zu 1 ist, klingt das fast lächerlich. 30 Meilen? Davon kommst du nicht mal bis zum Flughafen-Zaun. Aber der Trick liegt im System.

Nahaufnahme eines Smartphones mit Payback-Code und einem Lufthansa-Schlüsselanhänger.

Die Magie der Coupons und der Double-Dip

Kurz vor den Weihnachtsferien hatte ich mein erstes echtes Erfolgserlebnis. Ich hatte einen 10-fach Coupon in der App aktiviert. Plötzlich wurden aus den 30 mickrigen Punkten stolze 300. Das ist dieser Moment an der Kasse, wenn der Scanner piept und ich dieses kurze Triumphgefühl habe, weil ich weiß: Das waren gerade wieder 300 Meilen für fast nichts. Man muss nur diesen einen Klick in der App machen, bevor man den Rüssel in den Tank steckt.

Aber es geht noch besser. Ich nenne es den Double-Dip. Ich zahle nämlich mit meiner Miles & More Kreditkarte. Die Karte gibt mir zusätzlich 1 Meile pro 2 Euro Umsatz. Wenn ich also für 60 Liter tanke und der Spritpreis gerade bei etwa 1,80 Euro liegt, zahle ich 108 Euro. Das bringt mir über die Kreditkarte noch mal 54 Meilen obendrauf. Insgesamt landen also über 350 Meilen auf meinem Konto – nur für eine einzige Tankfüllung, die ich sowieso hätte machen müssen. Wenn du wissen willst, wie wir das mit anderen Einkäufen kombinieren, habe ich hier mal aufgeschrieben, wie Payback Punkte in Meilen umwandeln beim Familieneinkauf funktioniert.

Ich schreibe das jetzt alles akribisch in mein Notizbuch. Neben der Bordkarte von unserem SFO-Flug klebt jetzt eine verknitterte Quittung von der Tankstelle in Giesing. Es ist wie Puzzeln. Jedes Teilchen zählt. Mein Mann schüttelt manchmal den Kopf, wenn ich ihn frage, ob er auch brav den Coupon aktiviert hat, aber wenn wir dann in der Lounge sitzen, ist er der Erste, der sich über den kostenlosen Espresso freut.

Die Falle mit dem Premium-Sprit: Warum teurer nicht immer besser ist

Hier kommt eine Sache, die ich auf die harte Tour gelernt habe – oder besser gesagt, durch die skeptischen Blicke meines Mannes. Manchmal gibt es Sonderaktionen, bei denen man für Premium-Kraftstoffe wie Ultimate 102 extra viele Punkte bekommt. Man denkt im ersten Moment: „Super, Meilen-Turbo!“ Aber wenn man genau hinschaut, ist das oft ein Verlustgeschäft. Der Preisaufschlag für diesen Luxus-Sprit an der Zapfsäule übersteigt den Gegenwert der gesammelten Punkte meist deutlich.

Ich habe das einmal im ersten Frühlingsmonat ausprobiert, als ich unbedingt mein Punktekonto pushen wollte. Der Sprit war pro Liter fast 20 Cent teurer. Bei 60 Litern waren das 12 Euro mehr. Die extra Meilen, die ich dadurch bekommen habe, waren diese 12 Euro einfach nicht wert. Das ist so ein typischer Anfängerfehler, bei dem man vor lauter Meilen-Gier den Blick für die Realität verliert. Jetzt tanken wir wieder ganz normalen Diesel oder E10 und holen uns die Punkte lieber über die Coupons und den Kreditkarten-Umsatz.

Es ist ein bisschen wie bei der Flugbuchung selbst. Man muss auf dem Teppich bleiben. Unsere 280.000 Meilen waren ein Erfolg, aber wir haben sie uns mühsam zusammengespart. Es bringt nichts, im Alltag Geld zu verbrennen, nur um das Meilenkonto schneller zu füllen. Es muss nebenher laufen, ohne dass es das Familienbudget sprengt. Wir nutzen zum Beispiel auch die American Express Gold Card Vorteile für Familien, um an anderen Stellen im Alltag Punkte zu sammeln, die wir dann später zu Payback und schließlich zu Miles & More schieben können.

Eine Hand klebt eine Tankquittung in ein Reisetagebuch neben handgeschriebene Notizen.

Kleine Rückschläge und das große Ziel

Natürlich läuft nicht immer alles glatt. Letzte Woche zum Beispiel: Ich stehe an der Kasse, die Schlange hinter mir wird immer länger, die Kinder ziehen an meiner Jacke, weil sie ein Eis wollen, und die Payback-App lädt einfach nicht. Kein Netz. Ich habe versucht, mich nicht stressen zu lassen, aber am Ende musste ich ohne Punkte zahlen. Das hat mich den ganzen restlichen Tag gewurmt. Oder das eine Mal in der Lufthansa Lounge B1 über PriorityPass – die Lounge war so überfüllt, dass wir kaum einen Platz gefunden haben und der Kaffeeautomat gerade gewartet wurde. Da fragt man sich kurz: Warum mache ich den ganzen Zirkus eigentlich?

Aber dann schaue ich mir das Foto von meinem Sohn an, wie er auf dem Flug nach San Francisco in seinem Premium Economy Sitz zusammengerollt auf seinem Reisekissen schlief, während wir irgendwo über Grönland waren. Das ist der Moment, der alles wettmacht. Diese kleinen Tropfen an der Tankstelle sind es, die uns den nächsten Sommerurlaub ermöglichen. Payback-Punkte verfallen zwar nach 36 Monaten, aber da wir die Kreditkarte haben und regelmäßig sammeln, ist das für uns kein Thema.

Während ich jetzt die Vorbereitungen für unseren nächsten Sommerurlaub 2026 treffe, merke ich, wie routiniert das alles geworden ist. Tanken, scannen, zahlen. Es ist kein „Travel Hacking“ im Sinne von dubiosen Tricks, es ist einfach nur Aufmerksamkeit im Alltag. Ich bin keine Influencerin, ich bin eine Mutter, die einfach nur will, dass der nächste Langstreckenflug für uns vier ein bisschen entspannter wird als in der engen Economy. Und wenn dafür ein paar Regentage an der Aral-Tankstelle nötig sind – dann ist das eben so. Ich klebe jetzt die nächste Quittung in mein Buch und freue mich auf den Moment, wenn ich die Meilen wieder für vier Bordkarten eintauschen kann.