
Spätabends in München am Küchentisch, wenn alles schläft – das ist meine Zeit für das Bordkarten-Tagebuch. Ich sitze hier mit dem Permanentmarker, dem Klebestift und den alten Bordkarten von unserem San-Francisco-Trip im Sommer 2024. Der Geruch des Markers mischt sich mit dem leicht klebrigen Gefühl des Klebers an meinen Fingern, während ich die Karte von Flug LH 454, Sitz 32H, in mein Moleskine klebe. Damals waren wir so stolz auf diese 280.000 Meilen für vier Premium-Economy-Tickets – auch wenn uns die 1500 Euro Steuern und Gebühren kurz schlucken ließen. Aber während ich die leere Seite daneben anschaue, frage ich mich: Geht da noch mehr? Können wir die Welt sehen, ohne die Kinder elf Stunden am Stück in einen Sitz zu fesseln?
Nachdem ich damals fast durch Zufall angefangen habe, Meilen zu sammeln, bin ich jetzt in der Phase, in der ich jedes Detail verstehen will. Ich bin keine Travel-Bloggerin, ich bin eine UX-Designerin, die Struktur braucht. Und die Struktur bei Miles & More sagt: Ein Stopover ist dein bester Freund, wenn du mit Kindern reist. Es ist dieser magische Moment, in dem man merkt, dass man für die gleiche Anzahl an Meilen eigentlich zwei Reisen in einer bekommt. Aber wie so oft beim Meilensammeln steckt der Teufel im Detail – oder in der Warteschleife der Hotline.
Warum wir den Stopover für die Langstrecke brauchen
Erinnert ihr euch an den Moment, als das Kind in der Premium Economy mit dem Reisekissen einschlief und man dachte: "Gott sei Dank, noch sechs Stunden bis Frankfurt"? Genau dieser Moment hat mich zum Nachdenken gebracht. Mitte November saß ich das erste Mal vor den Regeln für Interkontinental-Prämienflogtickets. Die Regel ist eigentlich simpel: Man darf pro Flugrichtung einen Stopover von mehr als 24 Stunden einlegen. Das Ziel der Reise zählt dabei nicht als Stopover.
Für uns als Familie bedeutet das: Wenn wir nach Australien wollen, können wir fünf Tage in Singapur bleiben, uns den Singapore Changi Airport anschauen (der ja quasi ein Freizeitpark für Kinder ist) und dann erst weiterfliegen. Das Beste daran? Es kostet keinen einzigen Meilen-Extra-Punkt. Man zahlt nur die zusätzlichen Flughafensteuern für den Zwischenstopp. Nach etwa drei Wochen Recherche wurde mir klar, dass das die einzige Art ist, wie wir solche Distanzen mit einem Acht- und einem Zehnjährigen überstehen, ohne dass am Ende alle Ferienfotos nur müde Gesichter zeigen.
Das technische Hindernis: Die Suche nach dem "Multi-City"-Button
An einem Sonntag im März wollte ich es wissen. Ich hatte die Route im Kopf: Frankfurt nach Singapur, Stopover, dann weiter nach Sydney. Ich öffnete die Miles & More Website, suchte verzweifelt nach einer Option für Stopovers – und fand: nichts. Man kann online zwar Gabelflüge buchen, aber einen echten Stopover auf einem Prämienhub? Das System schüttelt virtuell den Kopf. Es war der Moment, in dem ich realisierte, dass ich zum Hörer greifen muss.
Und da saß ich dann, das Telefon zwischen Ohr und Schulter geklemmt, während ich parallel versuchte, das Abendessen für die Kinder vorzubereiten. Die plötzliche Panik stieg in mir auf, als ich nach vierzig Minuten in der Warteschleife endlich jemanden erreichte: Hatte ich die 24-Stunden-Regel richtig berechnet? Gilt das auch für die Kinder-Meilen? Ich hatte Angst, dass mein ganzer mühsam konstruierter Plan wie ein Kartenhaus zusammenbricht, nur weil ich eine Zeitzone falsch im Kopf hatte. Aber die Dame an der Hotline war geduldig, auch wenn sie wohl hörte, wie im Hintergrund Nudeln ins Wasser fielen.
Zahlen, Fakten und der Kinder-Rabatt
Hier kommt der Teil, den ich liebe, seit ich mein Notizbuch führe. Es gibt diesen wunderbaren Child-Mileage-Discount. Kinder zwischen 2 und 11 Jahren bekommen bei Flügen mit der Lufthansa Group 25 Prozent Rabatt auf die Meilen. Das gilt auch für komplexe Routings mit Stopover. Während ich also für meinen Mann und mich den vollen Preis zahlte, sparten wir bei den Kindern ordentlich Meilen ein. Das gleicht die Tatsache ein bisschen aus, dass die Steuern und Gebühren für die Kinder fast genauso hoch sind wie für uns Erwachsene.
Was man wissen muss: Pro Richtung sind maximal vier Flugsegmente erlaubt. Das klingt viel, aber wenn man von München erst nach Frankfurt muss, dann nach Singapur und von dort weiter, ist man schnell bei drei Segmenten. In der Premium Economy haben wir zudem den Vorteil von zwei Gepäckstücken bis zu 23 kg pro Person. Das ist bei einer Reise, die zwei Klimazonen abdeckt, lebensrettend. Ich habe in meinem Notizbuch auch vermerkt, dass ich damals warum ich ein Miles and More Konto für Kinder eröffnet habe, um genau diese Meilen-Pools für solche großen Stopover-Reisen nutzen zu können.
Mein ehrliches Fazit: Der Umweg über zwei Tickets
Jetzt kommt der Punkt, an dem ich vielleicht anders denke als die Profi-Hacker. Oft wird geraten, alles in ein riesiges Ticket zu packen, um Meilen zu sparen. Aber bei meiner Recherche Ende Januar ist mir etwas aufgefallen: Die Treibstoffzuschläge bei der Lufthansa Group können einen bei komplexen Routings auffressen. Manchmal ist es tatsächlich günstiger, zwei separate Prämientickets zu buchen. Zum Beispiel ein Ticket nach Südostasien mit Lufthansa (wegen des Komforts und der Lounge B1 in Frankfurt, die wir über den PriorityPass meiner Kreditkarte nutzen) und dann ein separates Ticket mit einer Partner-Airline innerhalb der Region.
Warum? Weil Partner-Airlines oft deutlich niedrigere Gebühren verlangen. Wenn ich die Route Singapur-Sydney separat buche, zahle ich zwar unter Umständen ein paar Meilen mehr in der Summe, aber spare hunderte Euro an "Carrier Imposed Surcharges". Es ist wie beim Wocheneinkauf: Manchmal lohnt es sich, für das Bio-Fleisch zum Metzger zu gehen und den Rest im Supermarkt zu holen, statt alles an der teuren Tankstelle zu kaufen. Ich habe darüber auch schon in meinem Text über Lufthansa Upgrades mit Meilen geschrieben – Flexibilität ist alles.
Als ich an jenem Sonntag im März schließlich die Buchungsbestätigung per E-Mail erhielt, fühlte ich mich nicht mehr wie die Anfängerin, die 2022 nur mal eben eine Kreditkarte beantragt hat. Ich fühlte mich wie eine Mutter, die das System verstanden hat. Ich habe die Bestätigung ausgedruckt, die Ränder sauber abgeschnitten und sie hinten in mein Moleskine geklebt. Keine First Class, keine Champagner-Bilder auf Instagram – nur wir vier, ein Stopover in Singapur und die Gewissheit, dass wir diesmal entspannter ankommen werden. Und während ich den Klebestift zuschraube, weiß ich: Das nächste Abenteuer ist bereits dokumentiert, noch bevor wir überhaupt am Flughafen München eingecheckt haben.


