
Es ist dieser eine Moment an einem Dienstagabend im letzten Januar – draußen herrscht dieses typische Münchner Grauin-Grau, und ich sitze am Küchentisch zwischen leeren Haferflocken-Packungen und dem üblichen Chaos. Das metallische Klicken der neuen goldenen Karte auf der Marmorplatte schneidet kurz durch das Gezänke der Kinder, die sich gerade nicht einig werden, wer mehr Cornflakes bekommen hat. Ich schaue auf dieses Stück Metall und denke: Okay, jetzt machen wir das richtig.
Eigentlich bin ich ja spät dran. Meinen ersten Bonus von 30.000 Meilen habe ich schon 2022 eingesackt, nur weil eine Kollegin mir die Karte empfohlen hat. Aber ich hatte keinen Plan. Ich hab die Meilen einfach liegen lassen, wie diese Treuepunkte im Supermarkt, die man am Ende doch vergisst. Erst im Sommer 2024 kam der Durchbruch, als wir tatsächlich 280.000 Meilen für vier Premium Economy Plätze nach San Francisco (LH 454) eingelöst haben. Aber der Weg dahin? Der war eher Glück als Verstand.
Warum 'einfach nur fliegen' für uns nicht reicht
Wenn man als vierköpfige Familie versucht, Meilen nur durch Fliegen zu sammeln, merkt man schnell: Das wird nichts. Wir fliegen einmal im Jahr groß in den Urlaub und vielleicht zweimal innerhalb Europas zu Verwandten. Damit füllt man kein Konto für vier Langstrecken-Tickets. Der Frust der letzten Jahre saß tief – wir haben zwar immer brav unsere Miles & More Nummern angegeben, aber am Ende reichte es gerade mal für einen Toaster aus dem WorldShop, wenn man nicht aufpasste.
Ich schaue auf die Abrechnung vom Februar und denke: Warum habe ich eigentlich jahrelang fast alles mit der EC-Karte bezahlt und dabei zehntausende Meilen einfach liegen lassen? Jedes Kilo Bio-Äpfel bei REWE, jede Tankfüllung für den Wagen meines Mannes, sogar die neuen Schulranzen – alles hätte Meilen bringen können. Es ist ein bisschen wie UX-Design: Man muss den User-Flow des Alltags optimieren, damit am Ende das gewünschte Ergebnis rauskommt.
Der technische Startschuss: Pooling und Partnerkarten
Mitte Februar habe ich dann Ernst gemacht. Schritt eins: Das Meilenpooling. In Deutschland dürfen zwei Erwachsene und bis zu fünf Kinder ihre Meilen in einen Topf werfen. Das ist der absolute Gamechanger für Familien. Plötzlich zählen nicht mehr vier kleine, fast wertlose Konten, sondern ein großer Haufen. Ich habe meinem Mann sofort eine Partnerkarte bestellt. Er als Maschinenbauingenieur war erst skeptisch – 'Noch eine Fixgebühr im Monat?' – aber als ich ihm vorgerechnet habe, dass wir so jede Versicherung und jeden Baumarkt-Besuch vergolden, war er dabei.
Trotzdem muss man ehrlich sein: Die Sammelstrategie für Familien ist oft ineffizient, wenn man nicht aufpasst. Die hohen Fixkosten der Karte und die 1.500 Euro Steuern und Gebühren, die wir damals für den SFO-Flug obendrauf gezahlt haben, machen die Meilen für Gelegenheitsflieger manchmal teurer, als wenn man einfach im Sale ein normales Ticket kauft. Man muss das Spiel schon mitspielen, damit es sich lohnt. Wie das technisch im Detail geht, habe ich mir mühsam zusammengesucht, als ich verstanden habe, wie das Miles and More Meilenkonto für Familien funktioniert.
Die nackten Zahlen nach 90 Tagen
Ich habe alles in mein Notizbuch geschrieben. Hier ist die Bilanz für das erste Quartal dieses Jahres:
- Willkommensbonus Karte: 30.000 Meilen (Aktion im Januar).
- Monatlicher Kartenumsatz: Durchschnittlich 2.500 Euro (Lebensmittel, Benzin, Abos, Versicherungen).
- Gesamtumsatz 3 Monate: 7.500 Euro.
- Meilen aus Umsatz: 3.750 Meilen (bei der privaten Rate von 1 Meile pro 2 Euro).
Das ist natürlich noch kein Freiflug nach Kalifornien, aber es ist der Grundstock. In meinem Notizbuch klebt unter diesem Eintrag kein Boardingpass, sondern der Screenshot der App. Es fühlt sich an wie der Startschuss für das nächste Abenteuer. Wir wissen jetzt, wie es geht. Damals auf dem Flug nach San Francisco saßen wir auf 32H in der A340-600, und ich erinnere mich noch genau, wie meine Tochter mit ihrem zerknitterten Reisekissen in der Premium Economy einschlief, während ich den ersten halbwegs genießbaren Flugzeug-Kaffee seit Jahren trank. Wer übrigens beim täglichen Einkauf noch mehr rausholen will, sollte Payback Punkte in Meilen umwandeln, das ist der Turbo für die Haushaltskasse.
Wenn es mal nicht nach Plan läuft
Es klappt natürlich nicht immer alles. Neulich wollten wir mit dem PriorityPass, den wir über die Karte haben, in die Lufthansa Lounge B1 in Frankfurt. Es war so voll, dass wir fast wieder umgedreht wären. Die Kinder saßen schließlich auf ihren Koffern in einer Ecke und haben Brezeln gegessen, während ich versucht habe, in der Schlange am Kaffeeautomaten nicht die Geduld zu verlieren. Ein Espresso-Cup in der Hand, die Geräuschkulisse wie am Hauptbahnhof – das war weit weg von der 'exklusiven Lounge-Erfahrung', die man in der Werbung sieht.
Aber wisst ihr was? Es ist egal. Wenn ich daran denke, wie wir den ersten echten Meilenflug nach San Francisco geschafft haben, war jeder volle Wartesaal und jede Gebühren-Diskussion vergessen. Wer als Familie starten will, sollte nicht auf das 'große Fliegen' warten. Der Alltag ist die Meilen-Mine. Es ist ein Marathon, kein Sprint, aber mit der richtigen Karte am Küchentisch fängt es an. Man schreibt jedes Detail mit, lernt aus den Fehlern und freut sich über jede Meile, die den nächsten Langstreckenflug ein Stück näher rückt.
